In diesem Supplement steckt mehr als nur etwas "Beruhigung" für Magen und Darm!

Pfefferminzöl hilft effektiv gegen die Beschwerden des Reizdarmsyndroms. Es lindert vor allem Blähungen und Bauchkrämpfe.
L-Menthol wirkt als Kalziumkanalantagonist, Kappa-Opioid-Agonist und Serotoninanatagonist. Studien zufolge hat es antientzündliche, antimikrobielle und transitnormalisierende Effekte. Bild: Mario Heinemann/pixelio.de

Ich erinnere mich noch an die Zeit, als ich beinahe täglich im Internet unterwegs war, um eine Lösung für meine Darmprobleme zu suchen. Es musste doch einfach irgendeine Pille geben, welche die beschämenden und schwächenden Durchfälle und die quälenden Schmerzen ein für alle mal befrieden könnte! Doch damals machte ich einen großen Fehler, welcher vielleicht auch Ihnen heute unterläuft, denn anstatt mich auf Dinge zu konzentrieren, welche sich bereits bewährt hatten, schloss ich einige von diesen kategorisch aus, weil sie nicht in mein kognitives Schema eines "wirkungsvollen Medikamentes" passten. So experimentierte ich lieber lange Zeit mit Loperamid, Amitryptilin, Mebeverin usw., denn ein potenter Wirkstoff muss schließlich auch über eine gehörige Portion Nebenwirkungen und einen pharmazeutisch-anmutenden Namen verfügen, richtig?

 

So blieben jedenfalls auch die Pfefferminzölkapseln lange Zeit in meinem Schrank liegen, welche mir meine Mutter aus der Apotheke mitgebracht hatte, um ihrem verzweifelten Sohn wenigstens etwas helfen zu können. Das ist inzwischen über 15 Jahre her. L-Menthol, der Wirkstoff in eben jenen Pfefferminzölkapseln, gilt heute als eines der wirkungsvollsten natürlichen Mittel beim Reizdarmsyndrom. Seine Number-Needed-to-Treat (wie viele Patienten müssen pro Zeiteinheit behandelt werden, damit das Therapieziel bei einem davon erreicht wird) ist mit 2 deutlich vorteilhafter als für bspw. Mebeverin, Probiotika, Rifaximin, aber auch die Kognitive Verhaltenstherapie. 

Dennoch scheint das Interesse an der Wirkungsweise des L-Menthols eher gering zu sein. Dies könnte sich aber schlagartig ändern, denn neue Studien beleuchten, dass es sich beim Pfefferminzöl keineswegs nur um ein entkrampfendes Mittel handelt, sondern es direkt auf einige der zentralen Krankheitsmechanismen des Reizdarmsyndroms wirkt!

  

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Reizdarm, Homöopathie und Wissenschaft

Homöopathie bei einem Reizdarm. Kann das wirklich helfen, oder ist die Homöopathie tatsächlich eine Irrlehre, wie viele Schulmediziner behaupten?
Homöopathie bei einem Reizdarmsyndrom - Studien zeigen positive Effekte, aller Kritik zum Trotz. Bild: Ulrich Schmitz via pixelio.de

Liebe LeserInnen, heute kommen Sie nach langer Wartezeit endlich in den Genuss eines Artikels, vor dem ich mich ehrlich gesagt sehr lange gedrückt habe. Dies hatte verschiedene Gründe, welche ich hier nur ganz kurz anreißen möchte, damit Sie besser verstehen, aus welcher Blickrichtung sich meine Sicht auf die Homöopathie entwickelt hat. Dabei glaube ich behaupten zu können, dass ich keineswegs "blauäugig" oder "verblendet" bin, wie es den Anwendern und Patienten immer wieder vorgeworfen wird. Und falls Sie meine Artikel schon länger verfolgen, dann wissen Sie auch, dass ich mich faktischen Argumenten nicht verschließe, ganz im Gegenteil, denn das Projekt Reizdarmtherapie.net steht seit 2014 für Analysen und Handlungsübersetzungen evidenz-basierter aktueller Studienergebnisse rund um das Thema Reizdarmsyndrom. Nun gut, werden einige von Ihnen jetzt vielleicht denken, aber warum dann ausgerechnet ein Artikel über die kontrovers diskutierte Homöopathie, welche beim ersten Hinschauen so gar nicht zur evidenz-basierten Wissenschaft passen mag? Zum einen, weil Komplementär- und Alternativmedizin von vielen Reizdarmpatienten angewendet werden und dabei höhere Effekte bei Symptommanagement und Lebensqualität erzielen (Grundmann & Yoon, 2014). Zum anderen, weil ich regelmäßig Zuschriften von Lesern erhalte, welche gezielt meine Meinung zur Homöopathie wissen möchten. Manchmal kommt die Frage dabei von Skeptikern, welche ihre Lebensgefährtin von dem "Unsinn" wegbringen wollen, viel öfter aber von meist weiblichen Lesern, die sich tatsächlich für das Thema interessieren.

 

Ich persönlich stand der Homöopathie lange Zeit mehr als skeptisch gegenüber. Als Psychologe des neuen Jahrtausends verstand ich mich lange Zeit als Naturwissenschaftler (schließlich haben wir inzwischen den Bachelor und Master of Science ...) und die Prinzipien der evidenz-basierten Medizin wurden uns regelrecht eingetrichtert. In meinem Umfeld herrschte eine Hexenjagd auf alles, was nicht oder noch nicht in der Welt der verwertbaren Daten angelangt war. Auf jeden Fall passte ich mich damals an und ließ mein Weltbild stark davon prägen. Erhärtet wurde diese Haltung nochmal als ich in meiner Verzweiflung wegen des Reizdarmsyndroms eine Heilpraktikerin aufsuchte, welche mir ein paar Globulis zusteckte. Heute weiß ich, dass es sich um eine wirklich schlechte Vertreterin ihrer Zunft gehandelt hat, denn es gab weder eine ausführliche Anamnese noch eine Fallanalyse (dazu später). 

Im Gegensatz zu mir war meine liebe Frau der Naturheilkunde schon immer zugewandt (wen wundert das als Physiotherapeutin und Heilpraktikerin für Physiotherapie?) und beschäftigte sich auch mit der Homöopathie. Sie können sich vorstellen mit welcher Begeisterung ich diese Globulis schluckte :). Es kam durch die Mittel allerdings zu einigen für mich unerklärlichen Erlebnissen, weil meine Frau mir die Globulis "blind" verabreichte, was bedeutet, dass ich nicht wusste, welches Mittel da gegeben wird. Es tauchten Wirkungen und vor allem auch Nebenwirkungen auf, welche hinterher genau zu dem jeweiligen Arzneimittelbild passten. Dies konnte aber kein Plazeboeffekt sein, weil ich die Mittel ja nicht kannte und deren Wirkungen schon gar nicht. Schließlich erlebte ich in der Praxis viele Menschen, welche auf Homöopathie schwörten und erlebte einige erstaunliche Dinge.

Diese Erfahrungen wollte ich aber nicht auf dem Blog verarbeiten, da es ja hier eben darum geht Dinge vorzustellen, welche sich in Studien als effektiv für die meisten von uns erwiesen hatten. Ich behielt also eine neutrale Einstellung und schrieb interessierten Lesern, dass ich vielen naturheilkundlichen Methoden beim Reizdarmsyndrom nicht ablehnend gegenüber stünde, ich aber aus wissenschaftlicher Sicht auch keine Empfehlungen abgeben möchte. Diese neue Offenheit und Neutralität hat mir in vielen Bereichen meines Lebens geholfen. Ich habe das Gefühl, dass umso mehr Wissen wir ansammeln, desto undogmatischer werden wir. Im Bachelorstudium war ich ein Schlaumeier und unterteilte die Psychologie in gut und böse (bspw. Warum redete Freud eigentlich immer über Sexualität? Der hatte bestimmt selber einen riesen Komplex! Unwissenschaftlich!). Nach vier Jahren in der Praxis kann ich behaupten, dass die allermeisten meiner Patienten an irgendeinem Zeitpunkt der Therapie auf dieses Thema kommen. Vom Abiturienten bis zur Frührentnerin.

Der nächste Schritt war das tiefere Eintauchen in die Materie anlässlich einer Fortbildung, in welcher das Thema "Naturheilkundliche Mittel in der Psychosomatik" abgehandelt wurde. Wie ich eben so bin, tauchte ich in die Welt der Fachartikel ab. Gab es denn Beweise für die Thesen, welche der Dozent (ein Arzt) aufgestellt hatte. Und die gab es tatsächlich, was mich zugegebenermaßen doch etwas verwirrte. Schließlich wurde mir jahrelang eingehämmert, dass noch nie eine hochwertige randomisierte und plazebo-kontrollierte Studie gezeigt hätte, dass die Homöopathie besser wirke als Plazebo. Wie falsch dieser Satz ist, möchte ich Ihnen also jetzt gern schildern und danach speziell auf den Reizdarm eingehen.

 

Ein kurzes Abtauchen in die Welt der Wissenschaft zu Homöopathie allgemein ist allerdings absolut notwendig, denn ein so kontrovers-diskutiertes Thema kann ich nicht ohne einleitende Diskussion abhandeln. Seien Sie also gespannt auf einige neue interessante Fakten, die Sie so vielleicht noch nie gehört haben.

  

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Mit funktioneller Medizin und bester Hoffnung in das Jahr 2017!

In den vergangenen Jahren hat sich viel in der Reizdarm-Forschung bewegt. Wird 2017 der Durchbruch kommen?
Wird 2017 das erlösende Jahr für uns Reizdarmpatienten? Bild: Rike/pixelio.de

Liebe LeserInnen, wieder ist ein Jahr vergangen und 2017 streckt bereits gierig seine Finger nach uns aus. Wie ist es Ihnen vor und während des Jahreswechsels ergangen? Hatten Sie eine schöne und erholsame Zeit mit Ihren Liebsten? Gehen Sie vielleicht voller Elan ins neue Jahr, bepackt mit guten Vorsätzen, überzeugt dem Reizdarm endlich den Krieg zu erklären und absolut gewillt auch diese finale Schlacht zu gewinnen? Oder gehören Sie zu jenen unter uns, die gerade in dieser Jahreszeit die Hoffnung verlieren, frustriert auf die Weihnachtsgans starrten und schon an die bevorstehenden Bauchschmerzen dachten? Sie glauben, dass uns Reizdarmbetroffenen nichts und niemand helfen kann?

Dann möchte ich Ihnen in aller Deutlichkeit sagen, dass Sie sich irren und Ihnen ans Herz legen, dass Sie sich diesen Artikel genauestens durchlesen sollten. Er beschreibt nämlich einen 2016 erschienen Case-Report, welcher nicht weniger als die Heilung eines Reizdarmpatienten durch Methoden der funktionellen Medizin berichtet. Wenn das keine Motivation für Sie ist, dann möchte ich noch einmal an Brecht erinnern:

 

"Wer (gegen den Reizdarm) kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren." 

Bertolt Brecht - Einfügung von mir :)

 

 

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Wissenschaft zeigt: Das (Klein-)Hirn von Reizdarmpatienten arbeitet anders

Studie zeigt: Das Gehirn von Betroffenen des Reizdarmsyndroms reagiert anders auf konditionierte Reize.
Bild: Monja Schnider via Pixelio.de

Liebe Leser, Wissenschaft ist etwas Herrliches! Jeden Tag, wenn ich mich an meine Rechercheroutine setze, freue ich mich schon, welche neuen Erkenntnisse mich wohl erwarten mögen. Dieses Mal passte es wieder wie die buchstäbliche "Faust aufs Auge", denn nach meinem Artikel über die körperlichen Faktoren beim Reizdarmsyndrom (ein Vergleich zu Morbus Crohn und Kolitis ulcerosa) fühlten sich viele Leser in ihrer Meinung bestätigt und teilten mir dieses auch schriftlich mit:

 

"Diese Daten beweisen doch, dass der Reizdarm eben nichts mit unserem Kopf zu tun hat, Ärzte und Psychologen jahrelang Unrecht hatten"

 

Doch nichts könnte ferner von der Wahrheit sein. Ein Fakt, den ich in meiner täglichen Arbeit als Psychologe und Heilpraktiker für Psychotherapie aus meiner täglichen Praxis kenne und den auch die medizinische und psychologische Forschung anerkennt.

Warum tendiert die heutige Gesellschaft eigentlich immer zu extremen Standpunkten? Natürlich verstehe ich, dass viele von Ihnen da draußen das Gerede um die eingebildeten Schmerzen und das "einfach-einmal-Zusammenreißen" satt hatten. Doch wenn wir die psychischen Komponenten unserer Krankheit verneinen, dann belügen wir uns selbst und berauben uns effektiver Behandlungsoptionen. Denn egal, was für uns Patienten grundlegender ist: ob Psyche oder Körper, Huhn oder Ei - Psychotherapie, Psychopharmaka, Hypnose und Stressmanagement gehören zu den erfolgreichsten Therapiemethoden bei einem Reizdarmsyndrom, unabhängig vom Vorliegen psychiatrischer Begleitstörungen. Das zeigen zahlreiche Studien und auch Meta-Analysen (bspw. zeigten Li und Kollegen 2014 in einer Meta-Analyse, dass Kognitive Verhaltenstherapie dem klassischen Basissupport und auch medikamentösen Ansätzen beim Reizdarmsyndrom überlegen war).

Wer würde eigentlich auf die verrückte Idee kommen, der Depression ihre psychische Komponente abzusprechen, nur weil wir heute wissen, dass bei ihr auch das Mikrobiom, Entzündungsprozesse und das Immunsystem allgemein eine Rolle spielen? Es gibt gerade für chronische Erkrankungen kaum Beispiele, wo Körper oder Psyche isoliert betroffen sind.

 

Eine neue Untersuchung eines deutschen Teams um Claassen (Neurologie der Universitätsklinik Essen) zeigt jetzt, wie das Gehirn von Reizdarmpatienten anders auf konditionierte Reize reagiert, als das gesunder Vergleichspersonen.

 

 

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Nahrungsfette und ihre Wirkung auf das Reizdarmsyndrom

Fett gehört zu den Triggerfaktoren des Reizdarmsyndroms. Aber was steckt eigentlich dahinter?
Bild: Timo Klostermeier via Pixelio.de

Elaine Gottschall, die Biochemikerin, Autorin von Breaking the Vicious Cycle und jene Forscherin, welche als erste die bedeutende Rolle von Kohlenhydraten bei der Symptomgenese chronischer Darmerkrankungen populär machte und somit den Grundstein für die low-FODMAP-Diät legte, führt in ihrem Grundlagenwerk aus, dass Darmpatienten Schwierigkeiten haben die Makronährstoffe aufzuspalten und regelgerecht zu verdauen. Dabei würden Proteine am besten, Fette eher mäßig und Kohlenhydrate am schwierigsten resorbiert. 

 

Durch den Erfolg der Paleo-Diät und den Populismus (ja, das meine ich im tatsächlichen Sinn) einiger ihrer Vertreter wurde das Fett in den letzten Jahren nicht nur rehabilitiert (Siehe an: Fett macht gar nicht fett und Nahrungsfette haben keine direkten Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-Krankheiten etc.), sondern regelrecht geadelt (Mehr Fett in der Nahrung ist gleich mehr Gesundheit). Im Zuge dieser Entwicklung wurden aus SCD und GAPS häufig high-fat- und low-carb-Diäten, eine Struktur, welche so von den Begründern niemals vorgesehen war. Viele Leser und Zuschauer berichten mir immer wieder, dass sich ihr Durchfall mit der SCD oder Paleo verschlimmert. Frage ich dann gezielt nach der Nahrungszusammenstellung finden sich Fettmengen zwischen 150-250g! Diese Masse an Nahrungsfetten würde schon sehr viele kerngesunde Menschen auf die Porzellanschüssel treiben.

 

Dabei wissen wir aus vielen Fragebogenstudien, dass Nahrungsfette bzw. fette Speisen von den Reizdarmbetroffenen neben Weizen, Milchprodukten und Früchten als einer der diätetischen Triggerfaktoren wahrgenommen werden (u.a. Simren und Kollegen, 2001; Williams und Kollegen, 2011; Hayes und Kollegen, 2013 usw.)

Trotz dieser prominenten Bewertung der Fette seitens der Patienten fehlen bis heute klinische Studien zur Nahrungszusammensetzung beim Reizdarmsyndrom, anhand deren Daten entsprechende Mengenempfehlungen abgegeben werden könnten. Dies ist ein entscheidender Nachteil, denn erwiesenermaßen für den Reizdarm effektive Ernährungsumstellungen wie die low-FODMAP-Diät können sowohl fettarm als auch fettreich gestaltet werden, was die Symptomverbesserungen letztlich sabotieren könnte.  

 

Schaut man sich die Empfehlungen von Elaine zur SCD etwas genauer an, dann bekommen wir eine Vorstellung davon, dass ihre Version der Diät keinesfalls low-carb oder gar high-fat war. Sie empfahl damals den liberalen Gebrauch von Honig und Früchten/Trockenfrüchten, sowie Hülsenfrüchten in späteren Stadien. Ihre Fleischauswahl war häufig von Geflügel dominiert. Heute haben wir durch neue Forschungsergebnisse einen etwas tieferen Einblick und könnten die Empfehlungen entsprechend abändern (FODMAP-reiche Früchte, Hülsenfrüchte und Honig raus; schnell-resorbierbare Stärke und glukosedominante Früchte etc. rein).

 

In diesem Artikel möchten wir uns also damit beschäftigen, WARUM Nahrungsfett für uns Darmpatienten (Reizdarmsyndrom, Morbus Crohn, Kolitis ulcerosa, Zöliakie etc.) problematisch ist und dem fettigen Hype etwas entgegensetzen.

 

 

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