Morgendlichen Durchfall stoppen!

Viele unserer Leser und Klienten kennen die morgendliche Raserei zur Arbeit. Sie kennen die panische Hektik bei der Suche nach einer "Parkmöglichkeit" und das vor Scham gerötete Gesicht, wenn sie von der Zugtoilette zurück ins überfüllte Abteil treten. Sie alle haben das gleiche Problem: Chronischer morgendlicher Durchfall macht ihnen den Schul- oder Arbeitsweg zur Hölle.

Ein Großteil unserer Durchfallklienten klagt hauptsächlich über morgendliche Beschwerden. Nach dem Aufstehen haben sie bspw. dreimal weichen, teils stark drängenden, Stuhlgang, weshalb sie oft sehr zeitig vor Arbeitsbeginn aufstehen, um sich ausreichend zu "entleeren". Der Stress längerer Arbeitswege triggert dann meist zusätzliche Beschwerden.


Kennen Sie dieses plagenden Phänomen auch? Dann möchten wir Ihnen gern einige Tipps geben, wie Sie den morgendlichen Durchfallattacken endlich Herr werden.


Warum immer früh am Morgen?

Am Morgen beginnt die Verdauungstätigkeit ihren Betrieb aufzunehmen. Hormonelle Faktoren steuern die Motilität und drängen zur Darmentleerung. Dies ist physiologisch und morgendlicher Stuhlgang ist absolut normal. Oft wird dieser auch durch den so genannten gastrokolischen Reflex getriggert: Vereinfacht gesagt wird nach einer Mahlzeit ein Signal an den Darm gesendet, Stuhl auszuscheiden.

Diese Mechanismen sind erwünscht und sinnvoll. Viele Durchfallpatienten haben leider auch etwas die Relation verloren, was hinsichtlich der Darmtätigkeit als "normal" anzusehen ist. Beobachten wir bspw. Naturvölker in einer von industriellen Einflüssen noch (teilweise) abgeschirmten Umgebung, so scheinen 2-3 Stuhlgänge am Tag der Norm zu entsprechen. Diese sollten aber absolut nicht imperativ sein. Sobald Sie das Gefühl haben, dass Sie innerhalb kürzester Zeit eine Toilette aufsuchen müssen, oder es passiert ein Unglück, ist etwas nicht in Ordnung. Letzteres gilt auch, wenn der Stuhl oft breiig- klebrig ist und sehr viele Spuren am Toilettenpapier hinterlässt oder aber Schmerzen vor, während oder nach dem Entleerungsvorgang auftreten.


Da die Verdauungstätigkeit bei allen Menschen morgens auf Hochtouren läuft, verstärken sich auch bei allen Darmkrankheiten, die ohnehin mit Durchfall oder breiigem Stuhl einhergehen, die Beschwerden. So klagen vor allem Patienten mit Reizdarmsyndrom über hauptsächlich morgendlichen Durchfall. Abends oder nachts sind sie meist beschwerdefrei (oder -arm), wenn sie sich nicht stressigen Situationen aussetzen. Schwerwiegendere Krankheiten (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Zöliakie) sind oft auch mit (teilweise blutigen) Durchfällen in der Nacht verbunden, während Erkrankungen mit klarem Auslöser (Gallensäureverlustsyndrom, Nahrungsmittelunverträglichkeiten) oft mit den Mahlzeiten in Verbindung stehen.

Tägliche morgendliche Durchfälle oder weiche Stühle sind also ein typisches Zeichen für den Reizdarm vom Durchfalltyp.


Strategien gegen morgendlichen Durchfall

Die Basistherapie des morgendlichen Durchfalls entspricht natürlich erst einmal der der klassischen Behandlung beim Reizdarmsyndrom. Sie sollten Ihre Ernährung umstellen, bspw. nach den Vorgaben der FODMAP- Diät. Weiterhin können Sie mit verschiedenen Supplementen (Probiotika, Weihrauchkapseln etc.) experimentieren und sollten auch an Ihrer psychischen Verfassung arbeiten (Reizdarm- Betroffene mit Durchfall profitieren besonders stark von einer Kognitiven Verhaltenspsychotherapie).


Tipp I: Frühstück, aber das richtige!

Um Ihren Darm morgens zu stabilisieren sollten Sie unbedingt ein kleines Frühstück zu sich nehmen. Dies sollte weder zu viele Kalorien, noch zu viel Fett enthalten, um nicht den gastrokolischen Reflex anzukurbeln, welcher für RDS- Patienten unvorteilhaft und beinahe überflüssig ist. Weiterhin vermieden werden sollten zu viele Ballaststoffe und reizende Bestandteile wie bspw. Fruktose.

In unserer Praxis hat sich ein kleiner Reisbrei (jap. Congee) bewährt. Wir nutzen dazu gemahlenen weißen Reis. Dieser wird in Wasser aufgekocht und mit Beeren und evtl. etwas Stevia o.ä. verfeinert. Der Brei enthält nur wenige Ballaststoffe, wirkt stopfend und bereitet den Darm auf die größeren Aufgaben vor. Mit Haferbrei (oft bei der FODMAP- Diät empfohlen) haben wir eher keine guten Erfahrungen gemacht. Hafer enthält sehr viele Ballaststoffe und führt oft zu Blähungen. Hier käme es auf einen Test an.


Tipp II: Kaffee erst im Büro!

Studien zufolge wirkt Kaffee auch für gesunde Menschen abführend. Diese Wirkung verstärkt sich allerdings noch, wenn er auf nüchternen Magen getrunken wird. Außerdem schraubt Kaffee die Stresshormone in die Höhe und trägt dadurch zu einem vermehrten Stresserleben bei, was gerade für Reizdarmpatienten mit Durchfall ungünstig ist.

Wir empfehlen ohnehin den Kaffeekonsum auf zwei kleine Tassen täglich zu beschränken. Ihren ersten Kaffee sollten Sie erst am Vormittag zu sich nehmen und auch erst eine Weile nach dem kleinen Frühstück (siehe Tipp I).


Tipp III: Immer ruhig bleiben!

Eine neue Untersuchung zeigte, dass Erzieherinnen mit Reizdarmsyndrom frühmorgens ein erhöhtes Stressprofil (hormonell) zeigen im Gegensatz zu ihren gesunden Kolleginnen. Gelingt es einmal, den Stresspegel zu senken, resultiert dies in geringeren intestinalen Beschwerden und somit auch in weniger Durchfall.

Es kann sich also lohnen, morgens ein kurzes Entspannungsverfahren (bspw. Autogenes Training) anzuwenden, oder auch Psychobiotika einzusetzen, damit Sie nicht in den Teufelskreis aus Reizdarm und Stressreaktion geraten.


Tipp IV: Die Spezielle Kohlenhydratdiät

Auf chronischen Durchfall hat unserer Erfahrung nichts einen so positiven wie nachhaltigen Einfluss, wie die Spezielle Kohlenhydratdiät. Diese wurde in den letzten Jahren zwar durch die massiven Forschungsarbeiten zu den FODMAPs verdrängt, aber sie ist definitiv hochwirksam. In unserer Praxis kombinieren wir häufig SCD und FODMAP- Konzept und bekommen viele Betroffene damit von zweistelligen täglichen Durchfällen auf lediglich 1-3 Stuhlgänge mit besserer Konsistenz.


Tipp V: Loperamid am Abend

Natürliche Mittel stehen bei uns im Vordergrund. Aber wir ignorieren Medikamente auch nicht, wenn sie den Betroffenen großes Leid ersparen können. Bis sich Ihr Darm durch die natürliche Therapie, für die wir stehen, gebessert hat, kann es sich lohnen, am jeweiligen Vorabend bspw. zwei Kapseln Loperamid einzusetzen. Dies verlangsamt den Stuhltransport und erlaubt es dem Dickdarm, mehr Flüssigkeit zu entziehen. Dies führt zu festerem Stuhlgang am Morgen.

Viele Reizdarmpatienten setzen Loperamid ungünstig ein. Sie warten nämlich damit, bis es ohnehin zu spät ist. Das Mittel benötigt nämlich 2-3h bis es optimal wirkt. Bleiben Sie aber aufmerksam! Besprechen Sie die Dosis mit Ihrem Arzt und leiten Sie unbedingt auch andere Therapieoptionen in die Wege. Loperamid und andere starke Medikamente sind keine Dauerlösung!