Bücher zum Thema Reizdarmsyndrom

Zum Thema Reizdarmsyndrom kursieren zahlreiche Mythen und Halbwahrheiten, denen ich auf meinem Blog und in den Vlogs versuche den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die folgenden Bücher zeichnen sich jeweils dadurch aus, dass sie die aktuelle Forschung berücksichtigen und einen hohen Praxiswert aufweisen.

 

Der große Patientenratgeber Reizdarmsyndrom ist meiner Meinung nach die beste Einführung in das Thema für Neudiagnostizierte und deren Angehörige. Es spricht viele relevante wissenschaftliche Konzepte an, ohne die Leser dabei zu überfordern und gibt dadurch einen guten Über- und Ausblick auf die Erkrankung.

Alarm im Darm: Mythos Reizdarm gehört ebenfalls zu den Grundlagenwerken für Betroffene, denn hier wird auf die weiterführende Diagnostik bspw. der Gallensäuren, der Bauchspeicheldrüse, des Kohlenhydratstoffwechsels eingegangen. Viele gereizte Därme erfuhren durch dieses Buch Linderung.


In diesem kurzweiligen Buch beschreibt Dirk Schweigler die Diagnostik und Therapie von Nahrungsmittelintoleranzen und Verdauungsbeschwerden. Sein Schreibstil und sein lösungsorientierter Ansatz bescherten ihm bisher ausschließlich 5-Sterne-Bewertungen.

Laut Studien leiden bis zu 80% der Reizdarmpatienten an der so genannten Dünndarmfehlbesiedlung. Behandelt man die unerwünschte bakterielle Überwucherung des Dünndarms, verschwinden oder lindern sich häufig auch Blähungen, Durchfall und Co. Doris Paas bespricht Symptome, Diagnostik und Behandlung.


Mehr als ein Drittel aller von einem Reizdarm geplagten Personen leidet eigentlich unter einer Nahrungsmittelallergie (IgE-vermittelt). Sowohl die Stabilisierung der für die allergische Reaktion verantwortlichen Mastzellen als auch eine Allergenkarenz befrieden die Beschwerden langfristig.

Trotz des reißerischen Titels erfährt man in diesem Buch recht viel interessantes über unser Verdauungssystem, wie es arbeitet und an welchen Stellen es entgleisen kann. Im Gegensatz zu Darm mit Charme gibt es ein paar mehr praktische Anregungen.


Vor dem FODMAP-Konzept gab es die Fruktoseunverträglichkeit, deren Bedeutung durch die neueren Forschungen nur bestätigt wurde. Tatsächlich weisen Untersuchungen darauf hin, dass vor allem Fruktose/Fruchtzucker und Fruktane den Erfolg der low-FODMAP-Diät moderieren.

Und natürlich darf auch die Laktoseintoleranz bzw. Milchzuckerunverträglichkeit nicht fehlen. Schließlich ist laut klinischen Studien ein Großteil der Reizpatienten Malabsorber (spaltet Laktose also nicht ausreichend auf) und annähernd 40% verspüren dann auch Symptome.


Bücher zur low-FODMAP-Diät

Das FODMAP-Konzept revolutionierte im letzten Jahrzehnt die Interpretation und Behandlung des Reizdarmsyndroms. Es handelt sich um die inzwischen am besten untersuchte Ernährungstherapie bei Reizdarm und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Doch auch für andere Krankheiten wie Fibromyalgie, das Chronische Erschöpfungssyndrom und Zöliakie häuft sich die Evidenz. FODMAPs sind schwer verdauliche kurzkettige Kohlenhydrate, zu denen auch (siehe oben) Fruktose und Laktose gehören. Kurzfristig führt ihr Verzehr bei RDS-Patienten zu Fermentation durch die Darmflora - es kommt zu Blähungen und Durchfällen (durch osmotische Effekte). Langfristig moduliert diese Ernährung die Aktivität der Mastzellen und die Freisetzung von Histamin. Sie verändert auch nachweislich das Mikrobiom und stärkt die Darmbarriere.

 

Dies ist das absolute Standardwerk zur low-FODMAP-Diät von den Begründern des Konzeptes, den Professoren Sue Shepherd und Peter Gibson höchstpersönlich. In diesem Buch geht es eher um das Konzept selbst und seine theoretische Fundierung.

Professor Martin Storr veröffentlichte das erste deutschsprachige Buch zur low-FODMAP-Diät. Wie auch in der Version seiner australischen Kollegen geht es viel um die theoretischen Hintergründe, während er die Praxis ausführlich in den folgenden Büchern erläuterte.


Ein vierwöchiger Ernährungsplan erläutert die praktischen Seiten der Eliminations- und Aufbauphase innerhalb der FODMAP-Reduktion.

Der FODMAP-Kompass (ebenfalls Professor Storr) spart an Hintergrundinformationen und präsentiert praktische Lebensmitteltabellen, um die Auswahl der verträglichen Nahrungsmittel (z.B. beim Einkaufen) so einfach wie möglich zu machen. Unverzichtbar!


Für mich der beste Einstieg in diese Ernährungsumstellung. Knappe aber relevante und fundierte Theorie, sowie alltagsnahe Rezepte und eine gehobene grafische Gestaltung zeichnen dieses Buch aus. Meine Empfehlung für Neudiagnostizierte.

Und noch ein schönes Kochbuch um den FODMAP-reduzierten Speiseplan noch weiter aufzupeppen.


Bücher zur  Glutensensitivität beim Reizdarmsyndrom (NCGS)

Aktuellen Metaanalysen (statistische Zusammenfassungen zahlreicher hoch-qualitativer Studien zu einem Thema)  zufolge leiden ca. 30% der Reizdarmbetroffenen unter einer so genannten Glutensensitivität. Unter den Patienten, die hauptsächlich unter Durchfall leiden, sind es sogar noch wesentlich mehr. In einigen Untersuchungen konnte durch den Verzicht auf Gluten dann tatsächlich eine Remission (Heilung) der Beschwerden erreicht werden (in knapp 60% der Teilnehmer).

 

Professor Alessio Fasano, Zöliakieexperte, Entdecker des Zonulin und einer der ersten, der für die Anerkennung einer eigenständigen Erkrankung Glutensensitivität stritt klärt hier über das Thema Gluten auf. Er zerpflückt zahlreiche Missverständnisse und Fehlinterpretationen und sorgt für ein fundiertes theoretisches Wissen.

Exemplarisch werde ich in der folgenden Zeile einige der meiner Meinung nach besten glutenfreien Kochbücher vorstellen. Besonders begeistert bin ich dabei von den Werken Carina Buhmanns (auch: FODMAP-Konzept).



Bücher zum Thema Mastzellen und Histamin

Die Mastzellen (körpereigene Immunzellen) spielen eine der wichtigsten Rollen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung des Reizdarmsyndroms, aber auch vieler verwandter Erkrankungen (z.B. Fibromyalgie und Chronisches Erschöpfungssyndrom). Studien zeigen konsistent, dass die Mastzellen von Reizdarmpatienten überaktiviert sind, das Immunsystem feuert aus allen Rohren und setzt permanent proentzündliche Botenstoffe (z.B. Histamin) frei. Die Mastzellaktivierung ist sehr eng mit dem deutschsprachigen Konzept der Histaminintoleranz verwoben. 

 

An diesem Weg sollte wohl kein Weg vorbeiführen, wenn man unter einer Mastzellerkrankung leidet. Herausgegeben von der Schweizerischen Interessengemeinschaft Histamin Intoleranz. Großartig!


Bücher zu SCD, GAPS, Paleo: Lektine, Inflammation, Hirn-Darm

Zahlreiche Ernährungskonzepte gingen der low-FODMAP-Diät voraus. Die Spezielle Kohlenhydratdiät hat nach jahrzehntelanger Erfolgsgeschichte und Lob durch die Patienten nun endlich auch in wissenschaftlichen Studien bewiesen, dass sie sowohl die Darmflora positiv beeinflusst, Entzündungen lindert und die Beschwerden von Morbus Crohn und Kolitis ulcerosa wirkungsvoll behandeln hilft. Auch viele Reizdarmpatienten profitieren von dieser Kost. Ebenso wurden die Erkenntnisse von Dr. Campbell-McBride durch neueste Studien unterstrichen, die den Zusammenhang von Gehirn/Psyche und Darmflora/Ernährung oder auch von bspw. Gluten und Autismus oder Schizophrenie bestätigen. 

 

Der absolute Klassiker von Biochemikerin Elaine Gottschall, der "Mutter der Speziellen Kohlenhydratdiät (SCD)", hat schon unzähligen Menschen mit Morbus Crohn, Kolitis ulcerosa, Zöliakie und Reizdarmsyndrom geholfen. Auch meine ersten Erfolge kamen mit der SCD, die auch den Grundstein für das FODMAP-Konzept legte.

Die GAPS-Diät von Dr. Campbell-McBride basiert auf den Erkenntnissen der SCD (links) und erweitert diese durch verschiedene praktische Bausteine (z.B. Phasenprogramm und Einsatz fermentierter Produkte). Das Buch beleuchtet auch den engen Zusammenhang zwischen Darm und Psyche.


Ein gelungenes Buch mit sage und schreibe 180 Rezepten passend zu SCD und GAPS. 

Die Steinzeit- oder Paleoernährung wird neben Sportlern besonders auch von chronisch-kranken Menschen geschätzt. Viele Betroffene schwören auf die Wirksamkeit bei Darmerkrankungen und die inhaltliche Nähe zur SCD scheint da kein Widerspruch.


Mit dem Autoimmun-Protokoll (AIP) der Paleoernährung kann das Essen schnell eintönig werden. Hier finden sich zahlreiche Rezepte für neue Lebensmittel oder Zubereitungsarten, damit die Therapie auch wieder Spaß macht!

Und noch mehr Kochvergnügen mit dem AIP! Diesmal von Mrs. Ballantyne höchstpersönlich.


Bücher über Psychotherapie, Entspannung, Stressmanagement

Einige Studien zeigen, dass psychische Beschwerden zu den klassischen Begleiterscheinungen des Reizdarms zählen. Bis zu über 90% leiden unter psychischen Auffälligkeiten wie Angsterleben, depressiver Verstimmung oder Somatisierung. Dies wird vermittelt über Lernprozesse, die Hirn-Darm-Achse, aber auch Mastzellen und Endotoxine. Sowohl Psychotherapie, als auch Entspannungsverfahren haben sich in Studien als wirksam bei der Behandlung erwiesen.

 

Die Kognitive Umstrukturierung ist einer der Schlüsselfaktoren bei der Behandlung des Reizdarms, denn bei den Patienten spielen so genannte "hot thoughts" eine zentrale Rolle. Diese automatischen Gedanken zu erkennen und sinnvoll zu modulieren ist essentiell. Das Buch ist für Therapeuten und ambitionierte Leser geeignet.

Neben den automatischen negativen Gedanken finden sich auch sehr häufig Probleme bei der Wahrnehmung und Steuerung von Emotionen bis hin zur Alexithymie. Auch in diesem Bereich sollten RDS-Betroffene unbedingt arbeiten.


Der Klassiker zur Achtsamkeit von Kabat-Zinn persönlich. Neben Hypnotherapie und Autogenem Training die am besten untersuchte Entspannungsmethode beim Reizdarmsyndrom.

Meine eigene bevorzugte Entspannungspraxis - das Autogene Training (Selbsthypnose). Das Buch von GU ist ein klassisches Einsteigerbuch ohne viel Theorie und führt einen schnell an die ersten positiven Erfahrungen mit dem AT heran.


Wie gehe ich sinnvoll mit Stress um? Welche Übungen bieten sich an, um nicht von einer Stresslawine überfahren zu werden? Ein wirklich tolles Trainingsmanual.

Kann man Resilienz erlernen oder die vorhandene stark erhöhen? Ist es möglich trotz weniger Druck produktiver zu sein? Dieses Programm zeigt nicht nur, dass dies durchaus möglich ist, sondern liefert auch detaillierte Schritte für den Weg zum Ziel.